Das ist der Gipfel: Nanga Parbat in Echtzeit

Posted on Januar 23rd, 2010, by miweb

Irgendwo im Himalaya steht der Nanga Parbat, der nicht zuletzt durch den Fall der Messner-Brüder und den aktuellen Kinofilm “Nanga Parbat” bekannt ist. Dieser Berg gehört zu den großen 8000ern und ist einer der Gipfel, die nur schwer zu erklimmen sind. Wäre es nicht schön, in unserer Medienwelt bei einem Aufstieg mit dabei sein zu können? Kann man! Ja, und zwar in Echtzeit. Sechs Tage am Stück.

Das ist ja wohl der Gipfel, denkt man. Wie kann man im Internet bitte einen Berg besteigen? Und doch ist es so. Zumindest fast. Denn der Surfer (oder die Surferin), der ja nun per Wortbedeutung keine Berge besteigt, muss nichts weiter tun, als zuzuschauen. Eine Gruppe von Bergsteigern macht sich nämlich auf, den Nanga Parbat zu bezwingen. Vom Gipfel trennt das Basislager die Gruppe nur noch die kleine Entfernung von über 3.000 Metern. Dann geht es schon los. Gebannt schaut man auf dem Monitor und sieht ein paar leuchtende Punkte in einem dreidimensional dargestellten Gebirgszug blinken. Und die Anzeige schreitet auf einer sechstägigen Skala langsam voran. Ganz langsam.

Sechstägig? Ja, ganze sechs Tage soll die Verfolgung des Gipfelsturms dauern. Ein Glück, dass es Zeitraffer gibt. So springt man schnell an die Informationsboxen, die für jeden Tag eingeblendet werden. Sie geben Hinweise darauf, was in der Gruppe geschieht, wer warum schlecht drauf ist und warum ein Schneeabgang zu Problemen führt. Ein Teil dieser Informationen wird als (übrigens echtes, vor Ort gedrehtes) Video dargestellt. Ganz am Ende kommen die Bergsteiger am Gipfel an und treten den ebenso schwierigen Abstieg an.

Diese Webseite ist ein absolut einzigartiges Ding in gut gemachter Flash-Animation. Wo bitte kann man denn sonst in realer Zeit bei einem Erklimmen eines 8.000er dabei sein? Dass man die Zeit spulen und skippen kann, ist ein für Besucher der Webseite dankbares Feature, denn zwischen den Einspielungen und Informationsboxen passiert nicht viel. Aber ansonsten ist die Idee ein absoluter Hit. Hier lernt man über das Bergsteigen, die Todeszone, die körperlichen Qualen, man ist live dabei, auch beim Scheitern. Man erfährt, warum es nach dem Erreichen des Gipfels kein fortdauernd gutes Gefühl gibt, und versteht plötzlich den Drang von Berghelden wie Reinhold Messner, immer wieder neue extreme Herausforderungen zu suchen. Der Nanga Parbat in Echtzeit. Das ist der Gipfel. Oder der Weg dahin und zurück. Eine Dokumentations-Idee, von der es im Web mehr geben sollte. Und hier kommt man direkt zur Besteigung: Nanga Parbat in Echtzeit.

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